Diagnose

schluckstoerungen5Schluckstörungen werden häufig unterschätzt, weil die Symptome nicht eindeutig sind und die Betroffenen nicht aktiv Hilfe suchen. Auch in Alten- und Pflegeheimen fallen Dysphagie-Patienten oft nur auf, wenn sie massive Symptome zeigen oder gar mehrfach an einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) erkrankt sind. Um diese und andere lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden, ist es wichtig, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren. Zum einen geben die Grunderkrankungen (Ursachen) einen wichtigen Hinweis auf das Risiko einer Schluckstörung, zum anderen sind Pflegekräfte, Ärzte und Angehörige so zu sensibilisieren, dass sie bereits auf erste Anzeichen (Symptome) einer Schluckstörung entsprechend reagieren.

untersuchung halsWenn Sie als Betroffene oder Betroffener Beschwerden haben und dies lesen, dann wenden Sie sich an Ihren Hausarzt. Er wird weitere Untersuchungen veranlassen und die passende Behandlung beginnen. Schluckbeschwerden sind kein Schicksal, dass man einfach so hinnehmen muss. Ihnen kann geholfen werden. Das gilt auch für alle Pflegebedürftigen, die zu Hause von Angehörigen oder in einer Einrichtung versorgt werden.

Klinische Schluckuntersuchung

Die klinische Schluckuntersuchung beinhaltet neben der Anamnese eine Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands, Kenntnis der Vorerkrankungen und der aktuellen Medikation sowie eine funktionelle Überprüfung des Schluckakts.

  • Klassische Anamnese
    Die genaue Beschreibung der Beschwerden ist sehr wichtig, weil sie dem Arzt einen Hinweis darauf gibt, wo die Störung lokalisiert ist. Der Blick auf die Krankengeschichte dient dazu, auf Grundlage der Ursache der Schluckstörung die richtige Therapie auszuwählen.
  • Körperliche Untersuchung
    Im Rahmen einer gründlichen Untersuchung überprüft der Arzt den Allgemeinzustand des Patienten, beurteilt die Sensibilität und Motorik von Kiefer, Lippen, Wangen, Zunge und Gaumensegel sowie verschiedene Reflexe. Je nach Ergebnis der Anamnese und Voruntersuchung werden auch Speiseröhre und Kehlkopf untersucht.
  • Wasserschlucktest
    In einer Variante des WasserschlucktestsWasserschlucktest nach Daniels; es gibt aber auch andere Varianten. wird dem Patienten Wasser zu trinken gegeben. Zuerst 2x 5ml, dann 2x 10ml, dann 2x 20ml. Im Anschluss wird mit einer kurzen Stimmprobe der Stimmklang überprüft. Folgende Kriterien sind für die Auswertung wichtig:
    • Lässt sich eine DysphonieBei einer Dysphonie ist die Leistungsfähigkeit der Stimme eingeschränkt und ihr Klang verändert. beoachten?
    • Liegt eine DysarthrieDysarthrie ist eine zentral-organische Sprechstörung, die Störungen der Atmung, Stimmgebung und Artikulation umfasst. vor?
    • Lässt sich ein abnormer Würgereflex beobachten?
    • Kommt es zu abnormem willentlichen Husten?
    • Hustet der Patient nach dem Schlucken?
    • Ist der Stimmklang nach dem Schlucken verändert?
    • Bei zwei positiv beantworteten Fragen gilt der Wassertest nach Daniels als positiv – was in diesem Fall die Verdachtsdiagnose Dysphagie bedeutet.
  • Ursachen
  • Symptome

Am besten können Risikopatienten mit einem standardisierten Diagnoseverfahren ausfindig gemacht werden, wie sie beispielsweise in Dysphagie-Zentren angeboten werden.

Mehr Informationen zur klinischen Schluckuntersuchung finden Sie hier:
https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2014/PDFs_Download/030111_DGN_LL_neurogene_dysphagien_final.pdf

Apparative Schluckuntersuchung

Konnten Schluckstörungen durch die klinischen Untersuchungen sicher ausgeschlossen oder nachgewiesen werden, sind keine weiteren Tests notwendig. Die apparative Diagnostik ist zwar genauer, aber auch technisch aufwendiger und entsprechend teurer, so dass diese Verfahren nur bei unklaren Befunden zum Einsatz kommen. Bewährte Verfahren sind die Videofluoroskopie (VFSS) und die fiberoptisch endoskopische Untersuchung (FEES).