Risiken

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Schluckstörungen können schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Die Betroffenen essen und trinken weniger, was nicht nur ihre Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch zu Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel führt. Hinzu kommen häufig Probleme bei der Medikamenteneinnahme, was in Kombination mit der schlechten Energie- und Nährstoffversorgung rasch eine Verschlechterung des Allgemeinzustands zur Folge hat. Die größte Gefahr besteht jedoch darin, sich beim Essen zu verschlucken, wodurch Nahrung in die Atemwege gelangen kann, was Erstickungsanfälle oder eine schwere Lungenentzündung hervorrufen kann.

essen

Ungeeignete Lebensmittel bei Schluckstörungen

Mischkonsistenzen (z. B. Eintopf)
Schwer zu einem Bolus formbare Lebensmittel
(z. B. Rohkostsalat)
Krümelige Lebensmittel (z. B. Gebäck)
Lebensmittel oder Getränke mit hohem Säureanteil
(z. B. Zitrusfrüchte)
Schleimbildende Lebensmittel
(z. B. Schokolade, Haferflockensuppe)
Faserige Lebensmittel (z. B. Spargel, Rhabarber)
Lungenentzündung (= Aspirationspneumonie) und Infektionen

Es ist ganz normal, dass man mal ein Stückchen vom Essen oder einen Schluck Wasser in den „falschen Hals“ bekommt und sich verschluckt. Ärzte nennen das Aspiration. Ein heftiger Hustenreiz befördert Gegenstände und Flüssigkeiten normalerweise schnell wieder aus der Luftröhre heraus. Nicht jedoch bei Menschen mit einer Schluckstörung. Ist der Abwehrmechanismus so schwer gestört, dass der Betroffene keinen oder nur einen eingeschränkten Hustenreiz hat, verbleiben Nahrungs- und Medikamentenreste in der Lunge und entzünden sich. Häufig kommen sie erst gar nicht so weit, sondern lagern unbemerkt – manchmal tagelang – in der Mundhöhle. Das führt zu einer Zunahme von Keimen im Speichel, der noch vor Auslösen des Schluckreflexes unkontrolliert den Rachen hinabläuft, in die Lunge gelangen und sich entzünden kann (=stille Aspiration). Patienten, die künstlich über eine Sonde ernährt werden oder einen HarnwegskatheterAlzheimerpatienten sterben zu fast 100 Prozent an Infektionen – das sind in erster Linie Lungenentzündungen und Harnwegsinfektionen.
Die Aspirationspneumonie ist bei Patienten mit akutem Schlaganfall mit einer Häufigkeit von 34 Prozent die dritthäufigste Todesursache.
gelegt bekommen, haben ein zusätzlich erhöhtes Infektionsrisiko.

Atemnot und Erstickungsgefahr

Viele Betroffene leiden unter Atemnot beim Essen (zugleich für Angehörige und Pflegepersonal ein wichtiger Hinweis auf die Symptome einer Dysphagie) und haben permanent Angst, zu ersticken. Tatsächlich kann beim Verschlucken von Nahrung akute Erstickungsgefahr bestehen, wenn die Speiseteile ungehindert in die Lunge gelangen. Ein weiterer Risikofaktor ist der sogenannte Bolustod (Bolus = Speisebreikugel). Hierbei gerät ein Stück Nahrung zwischen Kehlkopf und Speisröhre und löst durch Reizung des oberen Kehlkopfnervs einen Herzstillstand aus. Es handelt sich nicht um Tod durch Ersticken. 

Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel

Die meisten älteren Menschen mit einer Schluckstörung fallen durch sehr geringes Körpergewicht und allgemeine Schwäche auf. Das Risiko von Mangelernährung und Dehydration ist deutlich höher als bei Patienten ohne Dysphagie. Sie essen zu wenig oder ernähren sich überwiegend von Suppen und Brei und nehmen so nicht genug Energie und Nährstoffe zu sich. Je nach Art der Schluckstörung haben einige Patienten Probleme, die Speisen im Mund zu kontrollieren, was dazu führt, dass sie sehr wenig trinken und zu dehydrieren drohen.

Verschlechterung des Allgemeinzustands durch Probleme bei der Medikamenteneinnahme

Fast die Hälfte aller Dysphagie-Fälle bleibt unerkannt – auch in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Diejenigen, die noch zu Hause leben, nehmen die Beschwerden häufig als Folge des Alterungsprozesses hin, ohne einen Arzt aufzusuchen. Sie versuchen, sich „irgendwie“ zu behelfen. Das gilt auch für die Einnahme von Medikamenten. Im schlimmsten Fall verzichten die Betroffenen lieber ganz auf ihre Medikamente und nehmen somit KomplikationenSchwierigkeiten mit der Einnahme von Tabletten und Kapseln ist der Hauptgrund für fehlende Therapietreue bei bis zu 75 Prozent der Senioren mit einer Schluckstörung.und eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands in Kauf.

Auch in Alten- und Pflegeheimen ist die Arzneimittelapplikation ein großes ProblemEine Mischung von Nahrungsbestandteilen unterschiedlicher Konsistenz (z.B. Suppe mit Einlage) gehört für Patienten mit Schluckstörungen zu den größten Herausforderungen und ist mit einem besonders hohen Aspirationsrisiko verbunden. Die Einnahme einer Tablette oder Kapsel mit Wasser stellt das gleiche Problem dar und sollte daher vermieden werden. Daran ändern auch geteilte oder gemörserte Tabletten nichts..

Gängige Praxis ist das Teilen oder Mörsern von Medikamenten. Bei vielen Präparaten ist das jedoch gar nicht vorgesehen und kann für die Patienten, die häufig mehr als fünf Arzneimittel pro Tag einnehmen, zu unerwünschten Wechselwirkungen führen. Das Zerteilen und Mörsern birgt aber noch andere Gefahren: Vielfach kommt es zu einer Veränderung der Wirkstofffreisetzung. Das heißt, die Dosierung ist zu hoch oder zu niedrig. Manche Arzneistoffe sind mit einem magensaftresistenten Überzug versehen, der durch das Teilen der Tablette zerstört wird. Besonders problematisch ist das bei der Gabe sogenannter RetardtablettenBei Retardtabletten wird der Wirkstoff über einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel 24 Stunden, kontrolliert freigesetzt., da der Wirkstoff nun auf einen Schlag freigesetzt wird und es zu massiven Überdosierungen kommen kann.

Zu diesen Risiken durch die Veränderung der Medikamente kommen noch Risiken bei der Einnahme hinzu:

  • zu wenig Flüssigkeit bei der Einnahme
  • Gefahr von Schleimhautschäden durch „Einbrennen“ in Mund, Rachen oder Speiseröhre
  • Reste von Medikamenten oft tagelang in der Mundhöhle
  • Falsche Einnahme wie Zerkauen oder Lutschen
Verlust der Lebensqualität

Selbstständig lebende Senioren mit Schluckbeschwerden empfinden das Essen und Trinken zunehmend als Qual, da sie sich sehr konzentrieren müssen, um sich nicht zu verschlucken. Ständiges Husten oder Räuspern belastet viele Betroffene so sehr, dass sie sich zurückziehen und nicht mehr in Gesellschaft essen. Zu Hause entwickeln sie häufig Kompensationsstrategien, die in den meisten Fällen jedoch nichts mit Freude am Essen und einer angemessenen Versorgung mit Nährstoffen zu tun haben.

Auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind viele geriatrische Patienten unterernährt oder leiden unter den Folgen einer falschen Arzneimittelapplikation. Das beeinträchtigt ihren Gesamtzustand, das Immunsystem sowie die Kraftreserven.